Hochwertige Architektur
Wie entsteht ein Architekturentwurf?
Die Entstehung eines Entwurfs lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt kein universelles Rezept, das immer zum gewünschten Ergebnis führt. Vielmehr beruht der Prozess auf zahlreichen Untersuchungen und Analysen, die es ermöglichen, die richtigen Fragen zu formulieren.
Diese Fragen beziehen sich auf die soziokulturellen Aspekte der Nutzer oder Bewohner. Darüber hinaus wird das Quartier mit seinen spezifischen Eigenheiten untersucht, die Körnung definiert und die Geschichte des Ortes erforscht. Auch die Topographie sowie die geltenden Bauvorschriften müssen in Betracht gezogen werden, ebenso wie ökologische und ökonomische Fragestellungen.
Lassen Sie mich den Prozess anhand des Einfamilienhauses in Bülach skizzieren. Als die Anfrage zu diesem Projekt eintraf, begann ich damit, grundlegende Informationen über den Standort zu sammeln: Grundstückseigenschaften, Grundleitungen, Grundbucheintragungen, mögliche Gesundheitsbelastungen, bestehende Bauten und Zugänglichkeiten.
Gleichzeitig ermutigte ich alle zukünftigen Bewohner, einschließlich der Kinder, ihre Bedürfnisse zu erkunden und zu formulieren. Aus diesen Gesprächen entstanden individuelle Anforderungskataloge, die teilweise Überschneidungen aufwiesen, aber auch widersprüchliche Aspekte beinhalteten.
Das bestehende Gebäude aus den 1960er Jahren wurde einer qualitativen und statischen Prüfung unterzogen. Eine Machbarkeitsstudie für einen Neubau verdeutlichte die Vorteile eines An- und Umbaus. Durch die veränderten Grundabstände bot ein Umbau deutlich bessere Raumdispositionen als ein Neubau, der deutlich schlanker hätte realisiert werden müssen. Zudem ließ sich so ein Großteil des bestehenden Gebäudes als Rohbau weiter nutzen (lesen Sie dazu mehr in meinem Blog hier).
Im Anschluss begann der eigentliche Entwurfsprozess. Dabei galt es, die gewonnenen Erkenntnisse aus allen Disziplinen in einem Vorprojekt zu vereinen, sodass der Charakter der Familie in der neuen Gebäudegestalt deutlich erkennbar wurde.
Im Obergeschoss fügen sich die drei gleich großen Kinderzimmer, die sich um die bestehende Treppe gruppieren, zusammen mit den Badezimmern zu einem windmühleartigen Gefüge. Diese Anordnung wird an den Fassaden durch kleine Versätze sichtbar. Angrenzend befindet sich der Elternbereich, der ein Schlafzimmer, ein Badezimmer und eine Ankleide umfasst und sich vom Kinderbereich abtrennen lässt.
Im Erdgeschoss wird diese Struktur teilweise aufgegriffen und in ein offenes Raumkontinuum überführt. Die Topographie wird berücksichtigt, indem der Wohn- und Essbereich in mehreren Ebenen gestaltet wird. Der kaskadenförmige Außenbereich schafft verschiedene Sitzstufen, die zum Verweilen einladen.
Ein weiterer kontemplativer Rückzugsort wurde durch das erkerartige, mit Eichenholz verkleidete Fenster geschaffen, das dazu einlädt, beim Vorbeiziehen der Wolken ins Träumen zu versinken. Die Küche und der Esstisch wurden von der Peripherie in das Zentrum des Hauses verschoben, um dem harmonischen Zusammenleben dieser Familie gerecht zu werden.
Obwohl etwa 80 % des alten Hauses erhalten blieben, wurde es zweckmässig an die Bedürfnisse der neuen Bewohner angepasst. Die großzügigen Abmessungen des Gebäudes wurden durch eine sorgfältige Abstufung der Fassaden harmonisch in die ortstypische Körnung integriert. Der speziell für dieses Haus entwickelte Fassadenputz betont die unaufdringliche Ästhetik und lässt das Gebäude sanft mit der Umgebung verschmelzen.
Der Entwurf eines Gebäudes muss eine Vielzahl von Faktoren auf unterschiedlichen Ebenen berücksichtigen. Architektur ist nicht nur darauf ausgerichtet, funktionale Lösungen zu schaffen, sondern auch ganz spezifische Anforderungen zu erfüllen und dabei die Menschen emotional zu erreichen. Ein gelungener Entwurf trägt eine eigene Persönlichkeit, die mit der Aufgabe und ihren Zielen im Einklang steht.