An- und Umbau | 2006
Sicherheitszentrum Bülach
Der Umbau des Sicherheitszentrums Bülach verbindet funktionale Anforderungen eines zeitgemässen Sicherheits- und Verwaltungsbaus mit einer präzisen architektonischen Neuordnung. Durch gezielte Eingriffe in die bestehende Struktur entstehen effiziente Betriebsabläufe, klare Raumbezüge und eine nachhaltige Aufwertung der bestehenden Bausubstanz. Lesen Sie auch «Verantwortungsbewusst bauen» hier.
Ausgangslage
Die ehemalige Truppenunterkunft war nicht länger erforderlich, und die Stadt Bülach strebte an, die Sicherheitsdienste unter einem Dach zu vereinen. Eine wesentliche logistische Herausforderung bestand in der Integration der neuen Büroräume, während gleichzeitig die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr während der gesamten Bauzeit gewährleistet werden musste.
Lösung
Der Umbau der ehemaligen Truppenunterkunft folgt dem Prinzip des präzisen Weiterbauens: Die vorhandene Struktur wird nicht überformt, sondern mit wenigen, gezielten Eingriffen räumlich und konstruktiv weiterentwickelt.
Zwei neu eingefügte Wandscheiben bilden den zentralen Korridor und strukturieren die bestehende Gebäudetiefe. Durch ihre Setzung entsteht eine klare räumliche Ordnung, welche die Abfolge der Räume rhythmisert und gleichzeitig die vorhandene Trag- und Gebäudestruktur lesbar belässt. Die neue innere Organisation entwickelt sich damit unmittelbar aus den Qualitäten des Bestands.
Am Gebäudeende ergänzt ein additiver Erschliessungskern die bestehende Struktur. Zusammen mit einer intern angeordneten Nottreppe konnte die notwendige vertikale Erschliessung integriert werden, ohne den charakteristischen Ausdruck des Bestands grundlegend zu verändern. Der Sichtbetonbau der 1960er-Jahre bleibt als identitätsstiftende architektonische Figur erhalten und wird durch die neuen Elemente selbstbewusst, aber zurückhaltend weitergeschrieben.
Die Eingriffe in die Gebäudehülle sind ebenso auf das Prinzip des Weiterbauens ausgerichtet. Vergrösserte Fensteröffnungen verbessern die natürliche Belichtung und stärken den Bezug zwischen Innenraum und Umgebung. Gleichzeitig wurde die bestehende Tragstruktur konstruktiv optimiert, ohne ihre räumliche und tektonische Präsenz preiszugeben.
Der Dämmperimeter wurde bewusst beibehalten. Anstelle einer äusseren Überdämmung, welche die charakteristische Materialität und Plastizität der bestehenden Betonhülle verändert hätte, wurde die Wärmedämmung raumseitig ergänzt. Damit konnte die bestehende Fassadenerscheinung weitgehend bewahrt und zugleich die energetische Qualität des Gebäudes verbessert werden.
Die architektonische Haltung ist damit weniger von der Erneuerung als vom Weiterentwickeln geprägt: Bestehendes wird nicht als Einschränkung verstanden, sondern als Ressource. Die Eingriffe sind präzise gesetzt, funktional notwendig und zugleich so ausgebildet, dass die konstruktiven und räumlichen Qualitäten des ursprünglichen Baus weiterhin ablesbar bleiben. Der Umbau versteht sich folglich als Weiterführung einer vorhandenen architektonischen Idee – mit möglichst wenig Eingriff und möglichst grosser Wirkung.
«Gefällt mir sehr gut. Endlich ein Architekt, der es versteht, Architektur zu machen. Gratuliere.»
Ueli Gantner, Bildhauer