An- und Umbau | 2022
Einfamilienhaus Bülach
Die Erweiterung des sanierungsbedürftigen Einfamilienhauses interpretiert den Bestand neu und entwickelt ihn zeitgemäss weiter. Natürliche Materialien, offene Raumstrukturen sowie Nischen und Sitzstufen schaffen vielfältige Aufenthaltsqualitäten. So entsteht ein lichtdurchflutetes, nachhaltiges Zuhause mit hoher räumlicher und sozialer Qualität. Lesen Sie auch «Architekturentwurf» hier.
Ausgangslage
Das alte Haus wird hinsichtlich der Wiederverwendbarkeit seiner Bauteile sorgfältig geprüft. Neubau und Umbau werden dabei gegenübergestellt, um die beste Lösung zu finden. Das Ziel ist, ein Zuhause zu gestalten, das ein harmonisches und gesundes Familienleben fördert.
Lösung
Das Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren wird nicht als zu ersetzende Altlast, sondern als räumliche und konstruktive Ressource verstanden: Eine Machbarkeitsstudiezeigte, dass der An- und Umbau gegenüber einem Neubau sowohl hinsichtlich derräumlichen Disposition als auch der Weiterverwendung der bestehenden Struktur überzeugte. Rund 80 % der bestehenden grauen Energie konnten erhalten und zugleich die Grundrissstruktur konsequent auf die Bedürfnisse der fünfköpfigen Familieausgerichtet werden.
Der südseitige Anbau entwickelt den Bestand über alle drei Geschosse weiter und bildet zusammen mit dem umgebauten Altbau ein neues räumliches Gefüge: Im Obergeschoss gruppieren sich drei gleichwertige Kinderzimmer um die bestehende Treppe, während der abtrennbare Elternbereich einen eigenständigen Rückzugsraum bildet; im Erdgeschoss wird diese Ordnung in ein offenes Raumkontinuum überführt.
Die Topografie wird dabei nicht nivelliert, sondern als entwurfsbestimmendes Element aufgenommen und im Inneren durch unterschiedliche Raumebenen sowie im Aussenraum durch eine kaskadenartige Folge von Sitz- und Aufenthaltsstufen räumlich erfahrbar gemacht.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Übergängen zwischen Gemeinschaft und Rückzug: Die Küche und der Esstisch rücken ins Zentrum des Hauses, während Nischen und das erkerartige, mit Eichenholz verkleidete Fenster intime Orte des Verweilens schaffen. Die volumetrische Abstufung der Fassaden vermittelt zwischen der grosszügigen neuen Gebäudestruktur und der ortstypischen Körnung; ein eigens entwickelter Fassadenputz unterstützt dabei eine zurückhaltende Einfügung in den Kontext.
Insgesamt verbindet das Projekt die präzise Weiterentwicklung einesBestandsgebäudes mit einer konsequent aus den Lebensabläufen seiner Bewohnerentwickelten Raumordnung und versteht Nachhaltigkeit als unmittelbare Konsequenzvon Weiterbauen, räumlicher Angemessenheit und konstruktiver Ressourcenschonung.
«Zu Beginn führte jedes Familienmitglied – auch die Kinder – ein eigenes Wunsch-Buch . Darin hielten wir fest, was unser zukünftiges Zuhause ausmachen soll. Es ging nicht um Produkte oder Materialien, sondern um Atmosphäre, Bedürfnisse und Lebensgefühl. Hansjörg hat allen aufmerksam zugehört, Fragen gestellt – und bald seinen Entwurf präsentiert. Unsere Reaktion: Das ist es! Die Grundidee hat sofort überzeugt. Feinabstimmungen folgten, aber das Konzept stand – und bewährt sich perfekt. Heute, Monate nach dem Einzug, sind wir immer wieder beeindruckt, wie gut das Haus zu uns und zu unserem Alltag passt. Es erfüllt alle unsere Wünsche, ist funktional, klar und hat eine immens grosse Aufenthaltsqualität. Wir fühlen uns einfach nur wohl und möchten kein Detail anders haben. Danke, Hansjörg, für diese besondere Zusammenarbeit, Dein Zuhören, Dein Gespür und Deine Klarheit.»
Rezension der Bauherrschaft.